Das war der Brexit

Rene Lobing René Lobnig am

Seit Herbst 2015 ist René Lobnig für die Hypo Salzburg im Bereich der Vermögensverwaltung tätig.

Zuvor verantwortete er u.a. die Entwicklung strukturierter Investmentprodukte und das Portfoliomanagement eines Vermögensverwalters in Zürich und managte Publikums- und Spezialfonds für eine Privatbank in Salzburg.

Seine mehr als 15-jährige praktische Erfahrung im Finanzbereich ergänzte er mit der Ausbildung zum CFA (Chartered Financial Analyst) im Jahre 2010 bzw. zum CAIA (Chartered Alternative Investment Analyst) im Jahre 2011. 

Das war er also der gefürchtete Brexit. Wie erwartet, wenn das Unerwartete eintritt, haben die Märkte reagiert - stark reagiert. Immerhin hatten wir während des Handelstags am 24. Juni Verluste von über 10% in den großen europäischen Aktienindizes. Obwohl sich die Aufregung im Lauf des Tages etwas legte, schloss etwa der DAX noch mit einem Minus von 6,82%. Das ist für einen Index eine außergewöhnliche Bewegung. Auf Basis normalverteilter historischer Renditen seit 1970 liegt die Wahrscheinlichkeit für ein Dax-Tagesminus von über 6,8% bei gerade einmal 0,0000033%. Aus dieser Sicht waren wir also Zeuge eines historischen Ereignisses.

Der mögliche Austritt Großbritanniens bzw. das Votum war an den Märkten lange Zeit etwas, was niemand im Auge hatte. Zu unwahrscheinlich schien es, dass die Briten sich gegen die EU entscheiden würden. Sprach man letztes Jahr im Herbst mit Investoren war die Erwähnung des Brexit fast schon absurd, etwas das mit einem Lächeln abgetan wurde. Die letzten Monate fand sich das Thema plötzlich doch auf der Agenda fast jedes Investors und die vermeintliche Selbstgefälligkeit wich sukzessive etwaigen Bedenken. Dennoch rechnete noch am Tag vor der Abstimmung de facto niemand mit einem Austrittsvotum – hier gilt es auch meine Person mit einzuschließen. Im Endeffekt stand für die Briten zu viel auf dem Spiel – zumindest wurde es so kolportiert.

So zeigte der Markt vor dem Votum auch jenen Optimismus, den die Vorhersagen von Ökonomen und Investmenthäusern versprühten. Die weltweiten Aktienmärkte legten in den fünf Handelstagen vor dem Votum über 3% zu. Der Dax und der EuroStoxx 50 gar über 6%. Und auch das britische Pfund hatte in dieser Zeit Zugewinne zu verzeichnen.

In diesem Kontext gilt es auch die Bewegungen vom „Brexit-Freitag“ (und dem darauffolgenden Montag) einzuordnen. Denn was ist wirklich passiert?! Die weltweiten Aktienmärkte sind dort, wo sie vor dem Brexit auch waren. Der Dax und der marktbreite europäische Stoxx 600 notieren fast exakt auf dem Niveau wie eine Woche vor der Abstimmung. Einzig das britische Pfund liegt gegenüber dem Euro fast 10% unter der Marke von vor zwei Wochen. Aber selbst das entspricht immer noch Wechselkursen, die wir auch 2013 bereits gesehen hatten. Die Medien berichteten davon, dass am Tag des Brexit rund USD 1,6 Billionen an Kapital an den weltweiten Aktienmärkten „vernichtet“ worden sind – tatsächlich liegen wir im MSCI World mittlerweile aber bereits wieder 2,5% über jenen Kurswerten, die wir eine Woche vor dem Abstimmungsergebnis hatten.

Grafik 1: Normalisierte Betrachtung der Wertentwicklung von DAX, Stoxx 600 und MSCI World Local Net Dividend von 17. Juni 2016 bis 11. Juli 2016; Quelle: Bloomberg

Man kann festhalten, dass der Markt vom Abstimmungsergebnis geschockt war. Dies lag aber weniger daran, dass Investoren etwaige Auswirkungen des Brexit diskontiert hätten. Vielmehr war es das Resultat davon, dass monate- und wochenlang genau das  gegenteilige Resultat für das Votum antizipiert wurde.

Es bleiben dennoch Fragen, die jetzt alle interessieren. Was hat Brexit für Auswirkungen und sollte man momentan verkaufen oder haben sich durch die Bewegungen vielleicht sogar Kaufkurse ergeben? Die Antworten sind einfach. Die Auswirkungen des Brexits kann niemand absehen und schon gar nicht im Detail. Ökonomen werden in den nächsten Wochen und Monaten analysieren und prognostizieren was das Zeug hält. Doch es wird im besten Fall bei einer Tendenz bleiben, die sie vorgeben können, aber sicher nicht bei einer verlässlichen Prognose. Niemand weiß konkret wie sich der Brexit auswirken wird. Von einem etwaigen Ausbleiben des Brexit, wie er momentan diskutiert wird, reden wir dabei noch gar nicht. Denn selbst wenn eine Möglichkeit besteht, bleibt auch dies  reine Spekulation.

Kursseitig waren die Bewegungen am Aktienmarkt sicher nicht ausreichend um generelle Kaufgelegenheiten zu schaffen. Wie oben beschrieben ist eigentlich nicht viel passiert was die Kurse betrifft. Bestimmte Branchen wurden zwar massiv abgestraft, doch auch hier gilt es weiterhin fundamentale Qualität in Geschäftsmodell und Bilanz zu vernünftigen Preisen zu kaufen bzw. zu besitzen. Wenn dies gegeben ist, dann macht ein Investment langfristig auch Sinn, egal wie volatil die Märkte sind oder werden. Und auch an den Anleihemärkten hat sich nichts Gravierendes geändert. Die niedrigen Zinsniveaus machen Anleihen teuer und bergen für viele Anleger Risiken, wo sie diese nicht vermuten würden. In speziellen Anlagen wie offenen britischen Immobilienfonds ist innewohnendes Risiko dagegen bereits schlagend geworden. Anleger die jetzt in solchen illiquiden Vermögenswerten zu ihrem Geld kommen wollen müssen nicht nur starke Wertverluste hinnehmen, sondern oftmals sehr viel Geduld aufbringen um überhaupt an ihr Kapital zu kommen.

Der 24. Juni war Brexit, aber die Auswirkungen sind bis dato marginal. Zumindest gibt es keinen Grund in Panik zu verfallen oder in Kaufeuphorie. Denn bis jetzt ist gar nicht viel passiert. Und um nochmal auf den Dax zurückzukommen. Seit 1970 hatten wir übrigens 10 Tage, wo wir Bewegungen im Bereich von -6,8% oder tiefer hatten. Immer noch außergewöhnlich, aber sowas kommt eben vor.

Stand: 11. Juli 2016

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