Der Flug der Hummel

René Lobnig am

Seit Herbst 2015 ist René Lobnig für die Hypo Salzburg im Bereich der Vermögensverwaltung tätig. 

Zuvor verantwortete er u.a. die Entwicklung strukturierter Investmentprodukte und das Portfoliomanagement eines Vermögensverwalters in Zürich und managte Publikums- und Spezialfonds für eine Privatbank in Salzburg. 

Seine mehr als 15-jährige praktische Erfahrung im Finanzbereich ergänzte er mit der Ausbildung zum CFA (Chartered Financial Analyst) im Jahre 2010 bzw. zum CAIA (Chartered Alternative Investment Analyst) im Jahre 2011.

Vor genau fünf Jahren hat eine Rede von Mario Draghi große Bekanntheit erlangt. Darin konstatierte er mit den Worten „whatever it takes“, dass die EZB alles in ihrer Macht Stehende tun würde um den Euro zu retten. Die EZB hat Wort gehalten. Sie hat Anleihen von europäischen „Krisenstaaten“ aufgekauft, die Leitzinsen auf Niveaus unter null gesenkt und mit einem massiven Anleihekaufprogramm die eigene Bilanz deutlich erweitert. Das konsequente Einschreiten der EZB hat aus Sicht etlicher Marktbeobachter den Euro gerettet. Zumindest aktuell gibt es am Fortbestand der europäischen Gemeinschaftswährung kaum Zweifel. Darüber hinaus befindet sich die Eurozone wieder am Weg der konjunkturellen Erholung, sodass es viele Stimmen am Markt gibt, welche den Anfang vom Ende der lockeren EZB-Geldpolitik gekommen sehen.

Eine womöglich straffere Geldpolitik geht aber auch mit Bedenken einher, selbst wenn diese zum Teil unbegründet sind. Die USA bzw. die Fed haben dies über die letzten Jahre erfolgreich vorgemacht. Denn grundsätzlich gilt: Wenn das Umfeld stimmt, ist der Übergang von einer ultralockeren zu einer sukzessiv strafferen Geldpolitik mit dem Ziel der Normalisierung sicherlich nichts Negatives. Der konjunkturelle Trend in Europa scheint jedenfalls zu stimmen, selbst wenn wichtige Indikatoren wie die Inflation angestrebte Zielgrößen noch nicht erreicht haben. Dennoch gehören für viele Investoren geldpolitische Fehlentscheidungen durch EZB und/oder FED mit zu den größten Bedrohungsszenarien für die Märkte

„Whatever it takes“ steht stellvertretend für die Politik der EZB, interessant war jedoch auch, dass Draghi in derselben Rede den Euro mit einer Hummel verglichen hat. Mit einer Hummel deshalb, weil diese nach seinen damaligen Aussagen ein Wunder der Natur ist und auf Basis ihrer körperlichen Konstitution gar nicht fliegen können dürfte*. Die Analogie zum Euro besteht darin, dass der Euro aufgrund der vielen unterschiedlichen Staaten und Regierungen mit Völkern unterschiedlichster Sprachen in dieser Form eigentlich gar nicht überlebensfähig sein sollte. Dennoch existiert er. Die langfristige Überlebensfähigkeit des Euro war nach Draghis damaliger Interpretation daran gekoppelt, dass Staaten neben strukturellen Wirtschaftsreformen insbesondere auch die Zusammenarbeit untereinander forcieren.

Gerade in Punkto Strukturreformen könnte sich die EZB dahingehend ein Eigentor geschossen haben. Die Politik der EZB hat den europäischen Staaten nach Berechnungen der Bundesbank in den letzten 10 Jahren Finanzierungskosten von über 1 Billion Euro erspart. Das „billige“ Geld hat Reformen in einigen Staaten teilweise verhindert bzw. verzögert, weil sie schlicht nicht mehr so notwendig erschienen. Ein Anstieg der Zinsen würde hier fehlende strukturelle Reformen wieder spürbar machen und möglicherweise auch die konjunkturelle Erholung mittelfristig gefährden. In Punkto Zusammenarbeit hat die EZB zwar mittlerweile das Zepter über die Aufsicht der Banken übernommen, ansonsten hat sich zwischen den Staaten dahingehend aber nicht wirklich viel getan. Die zwischenstaatliche Zusammenarbeit hakt weiterhin, wirtschaftlich aber insbesondere auch politisch.

In ihrer letzten Sitzung hat die EZB jedenfalls angekündigt im Herbst eine Entscheidung bzgl. der weiteren Geldpolitik zu fällen. Dies wird zuallererst das bestehende Anleihekaufprogramm betreffen. Dass die Erwartungen des Marktes hoch sind zeigt ein Blick auf den Kurs des Euros – gerade auch zum USD. Während im Dollar die Normalisierung der Notenbankpolitik bereits zu einem guten Stück eingepreist ist, steigen die Erwartungen im Euro dagegen erst. Nichts ändern wird sich für europäische Aktientitel, das finanzielle Umfeld des „alten Kontinents“ wird günstig bleiben. Gefährlich für die Aktienkurse können jedoch Einflüsse außerhalb von Europa werden. Damit sind nicht nur geopolitische Ereignisse gemeint. Vor allem die Stabilität des US-Aktienmarktes ist für eine gute Entwicklung europäischer Titel unabdingbar.  

Was die Hummel selbst betrifft, so wird diese weiterfliegen, wenn auch – auf absehbare Zeit - in einer sehr ineffizienten Form mit überdurchschnittlichem Kraftaufwand.

*Dies ist übrigens ein weit verbreiteter Irrglaube, der auf mathematischen Berechnungen aus den 1930er Jahren basiert. Demnach kann eine Flugzeugtragfläche in der Größe eines Hummelflügels mit Hummelgeschwindigkeit nicht fliegen. Die Aussage stimmt zwar grundsätzlich, nur gibt es zwischen Hummelflügel und Flugzeugflügel gravierende Unterschiede, insbesondere jenen, dass sich der Hummelflügel bewegt und durch den Flügelschlag von sich aus Auftrieb erzeugt.

Stand: 27. Juli 2017

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