Die Sache mit den US-Leitzinsen

Rene Lobing René Lobnig am

Seit Herbst 2015 ist René Lobnig für die Hypo Salzburg im Bereich der Vermögensverwaltung tätig.

Zuvor verantwortete er u.a. die Entwicklung strukturierter Investmentprodukte und das Portfoliomanagement eines Vermögensverwalters in Zürich und managte Publikums- und Spezialfonds für eine Privatbank in Salzburg.

Seine mehr als 15-jährige praktische Erfahrung im Finanzbereich ergänzte er mit der Ausbildung zum CFA (Chartered Financial Analyst) im Jahre 2010 bzw. zum CAIA (Chartered Alternative Investment Analyst) im Jahre 2011. 

Nur mehr gut zwei Wochen sind es bis sich die Mitglieder der weltweit mächtigsten Notenbank, der US-Fed, treffen und u.a. über die Leitzinsen in den USA entscheiden. Eine durchaus brisante Entscheidung, denn wir sind mittlerweile an einem Punkt angelangt, an dem es an den Märkten längst kein „normales“ Marktgefüge mehr gibt. Die Notenbanken haben das Ruder übernommen und agieren teilweise, als wäre der viel gerühmte „freie Markt“ mittlerweile ein Anachronismus, der seine Daseinsberechtigung mit der Finanzkrise endgültig verloren hat.

Die Fed steht bis zu einem gewissen Grad auch unter Zugzwang. Denn über die letzten Monate und Quartale haben sich die Fed-Oberen nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert. Der Fed-Vorsitzenden Janet Yellen wurde nicht nur einmal Entscheidungsschwäche vorgeworfen. Nicht selten wurden die Aussagen von ihr als zögerlich befunden und den Entscheidungen selbst mangelnde Transparenz attestiert.

Für die kommende Septembersitzung stehen die Chancen für eine Erhöhung jedenfalls nicht schlecht – aber eben auch nicht wirklich gut, wenn man sich rein auf die Fakten und das bisher Geschehene bezieht. Interessant dabei ist, dass die jetzige Situation jener von 2015 stark ähnelt, auch wenn es mit der anstehenden US-Wahl einen neuen Unsicherheitsfaktor am Horizont gibt. Rein auf das Zahlenwerk zur US-Wirtschaft bezogen – also eben die harten Fakten, auf die die Fed unter normalen Umständen bei ihren Entscheidungen zurückgreift – würde das Umfeld eine Erhöhung durchaus vertragen. Die Parallelen zum Vorjahr liegen aber jedoch nicht nur in den Daten und der Entwicklung der US-Wirtschaft. Auch was die Erwartungen des Marktes anbelangt haben wir eine Situation wie exakt vor einem Jahr.


Neu geschaffene Stellen am US-Arbeitsmarkt auf monatlicher Basis; Quelle: Bureau of Labor Statistics, Bloomberg;

Die vom Markt eingepreisten Wahrscheinlichkeiten für eine Erhöhung sind nach einer kurzen „Euphorie“ Ende August durch unter den Erwartungen liegende Arbeitsmarktzahlen wieder auf Niveaus unter 30% zurückgekommen. Das ist eine ähnliche Erwartungshaltung, wie sie der Markt auch vor einem Jahr hatte. Und auch die Wahrscheinlichkeiten für die Dezembersitzung ähneln sich markant – wir erinnern uns, im letzten Jahr gab es im Dezember die erste Erhöhung der US-Leitzinsen seit damals 9 Jahren. In der Historie war es übrigens immer so, dass der Markt eine Zinsänderung mit einer impliziten Wahrscheinlichkeit von zumindest 60% antizipiert hat. Für September sind wir hier also noch ein gutes Stück weit entfernt.

Vom Markt implizierte Wahrscheinlichkeit für eine Erhöhung des Leitzinses durch die US-Notenbank bei den Sitzungen im September 2016 und Dezember 2016; Quelle: Bloomberg

Einen wesentlichen Unterschied zu 2015 gibt es aber doch – und genau das könnte eben den wesentlichen Unterschied ausmachen – die Inflationszahlen. Waren die für die Fed relevanten Teuerungsraten vor einem Jahr zum Teil noch auf sehr tiefen Niveaus, so hat sich die Teuerung auf Basis unterschiedlichster Indikatoren mittlerweile deutlich beschleunigt. Zwar liegen die meisten Indikatoren immer noch unter der Fed-Zielgröße von 2%, aber möglicherweise ist der Trend hier der „Friend“.


Inflationszahlen USA; Quelle: Bloomberg

Man braucht kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass die kommenden Zinsentscheidungen und das „Wording“ der Fed Auswirkungen auf den Markt haben werden – egal ob eine Erhöhung nun im September, im Dezember oder aber erst auch später kommt. Dabei geht es vorallem auch um den Zinspfad, den die Fed projizieren wird. Denn für andere Regionen und Zentralbanken wie Europa bzw. die EZB ist es so etwas wie eine Orientierungshilfe, selbst wenn diese im Wirtschafts- bzw. geldpolitischen Zyklus deutlich hinterher hinken.

Als interessante Anmerkung bleibt abschließend zu erwähnen, dass der Einfluss von Fed-Sitzungen auf die Entwicklung des US-Aktienmarktes seit den 80er Jahren markant zugenommen hat. Hier gibt es etliche Studien*, welche dies belegen, eine sogar von der Fed selbst. Egal wie die Fed sich bezüglich der Leitzinsen seit 1990 entschieden hat, die durchschnittlichen Erträge im S&P 500 waren an Tagen mit einer Fed-Entscheidung zumindest 5 mal so hoch, wie an Tagen ohne Fed-Sitzung.

Die Bewertungsniveaus von Vermögenswerten sind immer auch vom Zinsumfeld abhängig. Daher haben Leitzinsentscheidungen bzw. der Zinspfad durchaus Einfluss auf die Entwicklung von ganzen  Assetklassen. Auf kurzfristige Spekulationen sollte man sich dabei allerdings nicht einlassen und vorhandenes Kapital lieber mit Nachhaltigkeit investieren.


Stand: 7. September 2016

*Bei Interesse können hierzu gerne Quellen geliefert werden.

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