„Fernsehen ist nicht mehr die eierlegende Wollmilchsau“

Servus-TV-Moderator Andi Gröbl im Gespräch mit „Zukunft ist Thema“ über die Entwicklung des Fernsehens, die drei Modelle der Zukunft, das wichtige Live-Gefühl, unvergessliche Momente und seine eigentliche Kernkompetenz.

Dem Medium TV, vor allem dem linearen Fernsehen, wird immer wieder eine Krise bzw. mangelnde Zukunftsfähigkeit nachgesagt. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Es ist nicht wegzuleugnen, dass Fernsehen nicht mehr den Stellenwert wie vor ein, zwei Generationen hat. Zu Zeiten von „Wetten, dass…“ oder „Einer wird gewinnen“ waren die Straßen leer und am Montag hat in der Arbeit jeder darüber geredet. Diese Zeiten sind definitiv vorbei.

Mittlerweile ist die Diversität am Markt zu groß. Bei 800 Sendern kann die Quote nicht mehr so sein, wie sie früher war. Außerdem hat sich der Fernsehkonsum der Jüngeren dramatisch geändert. Warum sollten sie in Zeiten von Youtube und Netflix bis 20:15 Uhr warten, um sich etwas anzusehen, was ein anderer ausgesucht hat? Sie wollen dann schauen, wenn sie Zeit haben, und sind bereit, dafür extra zu bezahlen. Viele haben gar keinen Fernseher mehr. Die Streaming-Technologie ist mittlerweile so gut, dass lineares Fernsehen auch nicht mehr mit Bildqualität punkten kann. Früher waren die Streams extrem verpixelt. Heute ist jeder mit Breitbandinternet versorgt.

Lineares Fernsehen ist mittlerweile eher für ältere Leute, und das ist mittel- und langfristig natürlich ein Problem. Der typische Formel-1-Fan etwa ist in den letzten 30 Jahren rund 30 Jahre älter geworden. Das spiegelt sich auch in anderen Bereichen wider.

Sind TV-Sender also künftig vom Aussterben bedroht?

Das denke ich nicht. Seit 15 Jahren werden die Totengesänge auf das Fernsehen gesungen, und es gibt immer noch kein Massensterben der TV-Sender. Es sind noch genügend Leute da, die das alte Geschäftsmodell tragen. Die linearen Anbieter waren in den letzten Jahren aber gezwungen, intern zu revidieren und zu sparen. Fernsehen ist nicht mehr die eierlegende Wollmilchsau, die es einmal war.

Ich denke, es wird in den nächsten zehn Jahren eine Bereinigung stattfinden. Drei Modelle, die es teilweise jetzt schon gibt, werden sich noch stärker herauskristallisieren. Erstens: das staatliche Modell Marke BBC oder ORF, das sich noch stärker auf die Kernkompetenzen konzentriert und auf ein Archiv zurückgreifen kann, das kein anderer hat. Zweitens: das marketinggetriebene Trash-TV, das billig produziert wird und rein von Werbung lebt. Dieser Bereich wird nie riesige Marktanteile haben, aber es wird immer Werbepartner geben, die hier einzahlen. Auch hier gibt es bessere und schlechtere Produkte, und es werden nicht alle Sender überleben. Drittens: das Mäzenatentum nach dem Modell Mateschitz oder Branson. Jemand ist bereit, für seine Vorstellung von Fernsehen zu bezahlen und leistet sich einen Fernsehsender.

Wie können sich TV-Sender zukunftsfit halten?

Es geht vor allem um Relevanz. Natürlich muss die Quote passen, aber das geht nur, wenn man relevante Inhalte anbietet. Das klingt ziemlich banal, ist es aber nicht. Viele Fernsehmacher lassen sich zunächst einmal von persönlichen Vorlieben leiten und glauben, dass das auch die Masse interessiert. Im Bereich Sport beispielsweise ist in Österreich nur Fußball, Formel 1 und Skifahren wirklich relevant. Alles andere ist Nische.Servus TV ist mit Tennis und MotoGP auf einem guten Weg und hat wirklich wertvolle Sportrechte. Aber ein echter Quantensprung gelingt nur mit den „großen 3“ – und mit handelnden Personen wie einem Hirscher oder Lauda bzw. mit Mannschaften wie Rapid oder Salzburg. Aber diese Inhalte sind teuer, und man muss sich fragen, ob und wie man das Geld zusammenbekommt, welche anderen teuren Inhalte man weglassen kann.

Zudem kommt auch lineares TV nicht mehr ohne richtig gute Digitalstrategie aus. Sich nur auf seine Stammseher zu verlassen, reicht nicht. Den Kampf gewinnt man online. Aber in diesem Bereich stecken fast alle noch in den Kinderschuhen mit viel Luft nach oben. Viele holen sich Mitarbeiter, die sich mit Facebook, Youtube und Co. auskennen, wissen und verstehen dann aber gar nicht, was die eigentlich tun. Das ist noch keine Digitalstrategie.

Was macht für Sie die Faszination Fernsehen aus?

Fernsehen ist sexy. Das muss man meiner Meinung nach nicht in Frage stellen. So viele junge Menschen wollen „etwas mit Medien“ machen, obwohl das rational kaum zu erklären ist. Eigentlich sollte man ihnen ja abraten, weil es viel mehr Bewerber als Möglichkeiten gibt.

Selbst wollte ich eigentlich zum Radio, habe bei allen möglichen Wettbewerben mitgemacht, habe unzählige Bewerbungen abgeschickt, bin aber nie genommen worden. Mein Antrieb war die Faszination für den Motorsport. Ich wollte immer in die Formel 1 und war der glühendste Fan zwischen Sieghartskirchen und Vorarlberg. Ich konnte Startaufstellungen rückwärts aufsagen, habe mich oft über Heinz Prüller geärgert und das den ORF in meinen Bewerbungsschreiben auch wissen lassen. Irgendwann wurde ich eingeladen und durfte schließlich zu den Grand Prix reisen und gemeinsam mit Heinz Prüller arbeiten. Um in die Formel 1 zu kommen, hätte ich auch als Reifenwäscher angeheuert.

Grundsätzlich finde ich es nicht immer leicht, beim Fernsehen zu arbeiten. Kommentieren ist super, aber ich moderiere eigentlich nicht sehr gerne. Es gibt mir keine Befriedigung, wenn mir jemand sagt, dass er mich aus dem Fernsehen kennt.

Sie haben selbst Ihre Bekanntheit durch die Moderation des Stratosphären-Sprungs von Felix Baumgartner enorm gesteigert. War das ein besonderes Highlight und stimmt es, dass Sie danach über 5.000 neue Freundschaftsanfragen auf Facebook hatten?

5.000 stimmt nicht ganz, aber es war ca. ein Zehnfaches von dem, was ich damals hatte. Auch viele alte Bekannte haben sich wieder gemeldet. Es war auf jeden Fall etwas Besonderes. Ich habe das Projekt über mehrere Jahre als Teil des Medienteams begleitet. Bei einem Meeting in der Kommandozentrale in Santa Monica durfte ich Joe Kittinger kennenlernen. Er hat in einer Vorstellungsrunde erzählt, dass am Wochenende Neil Armstrong zum Fischen und Grillen zu Besuch war. Da habe ich gemerkt, dass das schon eine ganz besondere Nummer ist.

Der erste Versuch musste abgebrochen werden, was bei 50 Leuten allein in der Studioproduktion ein Wahnsinn war. Dazu hatte unser Experte Clemens Lothaller wegen seines Hochzeitstags beim zweiten Termin keine Zeit und wir mussten einen neuen Experten organisieren. Schließlich waren wir insgesamt 13 Stunden und 16 Minuten ununterbrochen auf Sendung. Irgendwann bist du so richtig in einem Flow drinnen.

Wir haben auch als Sender sehr viel gelernt. Die Quoten-Spitzenwerte haben uns gezeigt, dass die Leute sehr wohl wissen, wo Servus TV auf der Fernbedienung ist. Wir haben mit dem Sprung ein neues Genre geschaffen. Es war kein klassisches Sportfernsehen, aber auch kein reines Entertainment, sondern eine Wissenschafts-Liveübertragung in einem Format, das es vorher noch nicht gegeben hat.

Und es war auch der Beweis für die Überlebenschance des linearen Fernsehens. Man muss mehr in Richtung Event-Fernsehen denken. Der einzige Grund für viele Leute, zu einer bestimmten Zeit den Fernseher aufzudrehen, ist, weil ich bei etwas dabei sein will, dieses Live-Gefühl haben will. Auch Sportübertragungen funktionieren live sehr gut. Dieser Live-Charakter erzeugt Relevanz. Dieser Nervenkitzel, dass etwas passieren könnte - das funktioniert nicht nur im Sport.

Sie haben schon zahlreiche bekannte Persönlichkeiten interviewt. Was ist Ihnen in diesem Zusammenhang besonders in Erinnerung geblieben?

Das hängt sicherlich eng mit den handelnden Personen zusammen. An die großen Interviewpartner erinnert man sich – wie Michael Schumacher, Franz Beckenbauer, Mario Andretti, Luciano Pavarotti. Mir fällt eine Situation ein, als ich als junger Reporter noch nicht wusste, dass es in der Formel 1 einige No-Gos bei Fragen gab. Ich fragte Eddie Irvine, warum er seinen Teamkollegen Michael Schumacher vorbei lassen musste. Er murmelte irgendetwas von Bremsproblemen, aber ich ließ nicht locker. Dann hat er sich live auf Sendung einfach umgedreht und ist gegangen.

Oder es gab einen ehemaligen Helden des FC Bayern München, der nach der Sendung richtig böse war, weil er zu wenig zu Wort gekommen war. Nicht vergessen werde ich auch, dass ich Michael Schumacher beim Fußballspielen ein Gurkerl geschoben habe.

Natürlich bleiben auch die traurigen Situationen in Erinnerung. Wir hatten zum Beispiel Kira Grünberg im Hangar-7, als sie noch kaum jemand kannte. Wir haben sie über ihre Pläne und Ziele interviewt – und ein paar Wochen später sitzt sie im Rollstuhl. Oder der deutsche Profi-Fußballer Andreas Biermann, der in der Sendung offen über Depressionen gesprochen hat und sich zwei Jahre später das Leben genommen hat.

Eine der schwierigsten Sendungen war sicherlich die, in der ich den Nachruf auf Hannes Arch verkünden musste. Als Kommentator des Air Race bei Servus TV hatte ich Hannes besser kennenlernen dürfen. Und für meinen älteren Sohn war er schon ein Idol, als der noch Windeln trug. Zehn Tage vor Hannes‘ Absturz hat mein damals Neunjähriger sein großes Vorbild in Salzburg erstmals live getroffen. Hannes hat sich endlos Zeit genommen für den Knilch. Es war ein prägendes Erlebnis. Der Bub hat vor Freude von einem Ohr bis zum anderen gegrinst. Am Tag, als das gemeinsame Foto für das Kinderzimmer fertig ausgearbeitet war, passierte das Unglück. Und zwei Tage darauf haben wir auf Sendung sozusagen Abschied genommen.

Egal, wie lange man den Job macht, auf so etwas bist du nie vorbereitet. Es war grausam.

Sie haben „nebenbei“ auch noch viele andere Projekte am Laufen. Erzählen Sie uns davon.

Eigentlich komme ich ja aus der IT, habe schon als Schüler programmiert, danach Wirtschaftspädagogik mit Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik studiert. Ich bin Lehrer und halte Vorträge über E-Business, Online-Marketing oder Cyber Security. Das ist meine Kernkompetenz. Ich war zum Beispiel Berater des Innen- und Wirtschaftsministeriums für KMUs.

Auch wenn es auf den ersten Blick keine Gemeinsamkeiten gibt: das verbindende Element ist meiner Meinung nach, dass man sowohl als Kommentator/Moderator als auch als Berater oder Vortragender fähig sein muss zu übersetzen. Du musst erklären können, worum es geht, Inhalte mundgerecht aufbereiten und die Leute dort abholen, wo sie gerade stehen. Man sollte verstehen, warum es eine gute Idee ist, ein sicheres Passwort zu verwenden und es alle paar Monate zu wechseln.

Ich spiele auch noch in einer Band und bin Fußball-Nachwuchstrainer. Zudem habe ich 2016 ein Medizinstudium begonnen. Das liegt zwar derzeit auf Eis, aber es ist extrem spannend und sehr inspirierend. Das möchte ich auf jeden Fall fortführen. Außerdem ist da noch der Job als Geschäftsführer von Gröbl TV. Wir machen Imagefilm-Projekte, haben hier eine Nische im IT-Bereich gefunden - für Kunden, die kein Google- oder Microsoft-Budget zur Verfügung haben, aber dennoch gut gemachtes Bewegtbild zu Themen wie Cyber Security benötigen.

Wie kriegen Sie das alles unter einen Hut?

Ein gutes Zeitmanagement und die Fähigkeit, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen, sind essenziell. Und du brauchst Menschen, angefangen in der eigenen Familie, auf die du dich verlassen kannst.

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